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"Beinahe-Boxer": Puch 800 „P“


Sie wäre eine typische Puch, die mit Merkmalen wie dem massiven Rahmen mit dem geschmiedeten Brustrohr, der Pressstahlgabel, der Kupplung im Hinterrad, den Laufrädern mit den großen Innenbackenbremsen, der Beleuchtungsanlage, und nicht zuletzt dem aus zwei Hälften bestehenden Kraftstofftank aussieht wie andere Modelle des Grazer Traditionsunternehmens auch, wenn da nicht dieser völlig untypische Motor wäre. Die 800er Puch hat erstens den einzigen in der Marcellino Ära selbst entwickelten Viertaktmotor (für die 500er aus 1929 wurde ja ein JAP Aggregat aus England angekauft), und dann noch dazu ein Vierzylinder! Etwas vergleichbares bekam man nur bei Zündapp, und genau bei dieser Nürnberger Marke hatten sich die österreichischen Behörden auch bedient gehabt, bevor die Nazis Exportbeschränkungen verhängt hatten.


Natürlich wollte Marcellino mit Puch in die Bresche springen, und weil die geplante 750er Zweizylinder-Boxer wegen zu starker Vibrationen nicht in Serie gehen konnte, entwickelten die Grazer gleich ein neues Projekt: die P 800. Wieder ein seitengesteuerter Boxer, der aber mit einem Öffnungswinkel von 170° wie ein extremer Weitwinkel-V ausschaut. Das sehr laufruhige Aggregat leistete 20 PS bei 4000 U/Min, die Gemischaufbereitung besorgte ein zentral auf dem Motor angebrachter Solex Vergaser (die anfangs verwendete Eigenentwicklung wurde wegen zu „großen Durstes“ wieder aufgegeben.) Das Viergang-Getriebe wurde mittels Schaltautomat betätigt - nach erfolgtem Gangwechsel rastete der Handhebel wieder auf neutral ein.

 


Ab 1938 wurde die graulackierte P 800 bevorzugt an die Behörden (Gendarmerie) ausgeliefert. Für die wenigen Privatkunden war das Motorrad natürlich in typischem Puch Design – schwarz mit rotweißen Beschneidungen und rotem Puch-Adler auf den verchromten Tankhälften – lackiert. Dass nur 550 Einheiten die Werkshallen verließen und die Produktion schon 1939 wieder eingestellt wurde, liegt am Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Die neuen Machthaber verfügten, dass schwere Behördenkräder ausschließlich von BMW und Zündapp zu kommen hatten – den Grazern blieb die Produktion von 250ern und 350ern vorbehalten.