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das Stachelschwein“ – DKW RT 350 S, Baujahr1956


DKW war früher einmal der größte Motorradhersteller der Welt, aber das war in den späten 20er Jahren. 1925 wurde nämlich in Zschopau die Fließbandfertigung eingeführt, und als dann der einfach herzustellende Stahlprofilrahmen hinzukam, konnte DKW 60.000 Motorräder im Jahr herstellen und auch verkaufen! Kurz darauf allerdings ließ die Weltwirtschaftskrise den Absatz von Motorrädern dramatisch zurückgehen, die sächsische Staatsbank vereinte die Hersteller DKW, Audi, Horch und Wanderer unter dem gemeinsamen Namen Auto Union AG. Das neue Firmenzeichen zeigte dementsprechend vier ineinander verschlungene Ringe. Diese Entscheidung hatte positive Auswirkungen, die Modellreihe SB wurde zum Erfolg. Mit der RT (für Reichstyp) 100 wurde das erste Modell einer Baureihe vorgestellt, auf der später die Nachkriegsmodelle basieren sollten. Vorher kam aber noch die NZ Serie, der Kriegsausbruch verhinderte aber größere Stückzahlen.

Nach dem Krieg lag Zschopau im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands. Das Werk wurde demontiert, der Name Auto Union aus dem Handelsregister gelöscht, etliche Mitarbeiter flüchteten mit Unterlagen und Plänen in den Westen, nach Ingolstadt. Während in Zschopau unter dem Namen IFA (Industrieverwaltung Fahrzeugbau, später MZ – Motorradwerk Zschopau) die Produktion der RT 125 wieder aufgenommen wurde, gab es in Ingolstadt bei der neuen Firma „Zentraldepot für Auto Union Ersatzteile“ andere Probleme: von der RT 125 existierten keine Pläne, so wurde eine neue Maschine vermessen und nachgebaut. Diese RT 125 W (für West) sollte in den folgenden Jahren die Vorlage für Nachbauten bei anderen Herstellern dienen. BSA, Yamaha, sogar Harley Davidson entstanden unverkennbare Kopien. Der Motorradboom der frühen 50er Jahre schlug sich auch bei DKW in einer breiten Produktpalette nieder. 1953 wurde mit der RT 350 das erste Zweizylinder Modell nach dem Krieg vorgestellt, wie bei DKW üblich, ein Zweitakter. Das Stachelschwein (so wurde die 350er im Volksmund häufig wegen ihrer Zylinderverrippung genannt, nicht zu verwechseln mit der AJS Porcupine) kam allerdings erst zwei Jahre später in den Handel, zu einer Zeit also, wo die Nachfrage nach Motorrädern stark zurückgegangen war. 1955 folgte mit der „S“ eine überarbeitete Version, die sich nicht nur durch die kürzelgebende Schwinge, sondern auch eine Sitzbank anstelle des Sattels von der Ur-RT unterschied. Bei DKW selbst hatte man sich mittlerweile verstärkt auf Mopeds konzentriert, was aber den Untergang auch nicht aufhalten konnte. Zusammen mit Express und Victoria entstand 1958 die Zweirad Union, die 1966 ziemlich spurlos in der Fichtel & Sachs Gruppe verschwand.