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„Ein Mann namens Klinger“ - die BMW RS 54

Klinger und BMW gehören zusammen wie Agostini und MV Agusta oder Caracciola und Mercedes. 1949 hatte der 1927 geborene Gerold gegen den Widerstand seines Vaters auf einer BMW R 66 mit der Rennfahrerei begonnen. Anfangs eher im Gelände zuhause (die ersten Sporen verdiente er sich bei Skijörings), traute er sich auf anraten eines Freundes aber bald auch auf die Rundstrecke – zu Beginn eher zaghaft, wie er selber meint. In einem zeitgenössischen Artikel wurde über seinen ersten Einsatz allerdings wie folgt berichtet: „tauchte da ein Mann namens Klinger auf, der zunächst einmal ohne groß aufzufallen auf seiner R 68 das Juniorenrennen gewann. Als er dann nach der ersten Runde des Seniorenrennens als Führender wieder zum Ziel kam, nahm ihm das auch noch keiner übel. Als er aber nach der 6ten Runde immer noch führte, wurde man auf ihn aufmerksam und Rupert Hollaus musste sein ganzes Können aufbieten, um Klinger auf den zweiten Platz zu verweisen“. Gerold selbst weiß heute, dass der Erfolg nicht von ungefähr kam: wie ein Besessener habe er auf der für ihn ungewohnten Straße trainiert, so lang, bis ihm KTM Chef Hans Trunkenpolz zurief: „hör endlich auf, schneller wie du ist sowieso noch nie einer hier rumgefahren…“

Das war der erste Erfolg seiner noch jungen Karriere, viele weiter sollten folgen. So viele, dass man sogar in der Chefetage der Bayrischen Motoren Werke in München aufmerksam wurde, und Klinger deshalb von Rennleiter Max Klankermeier eingeladen wurde, auf einer RS ein internationales Rennen in Eilenriede zu bestreiten. Im September 1953 war das. Gegen starke Konkurrenz errang der den 6ten Rand, und gehörte somit zum erlauchten Kreis jener, die eine von 25 gebauten RS käuflich erwerben durften (BMW unterhielt ja zu diesem Zeitpunkt offiziell kein Werksteam mehr). Der Preis von DM 8.000,- konnte aufgebracht werden, S 30.000,- steuerte der österreichische Importeur Denzel bei), und bereits im Oktober stand die RS zu Hause im oberösterreichischen Gaspoltshofen.

Die ersten Einsätze mit der RS waren aber ernüchternd. Ausfälle waren an der Tagesordnung – ausnahmslos wegen Ventilschäden. Importeur Denzel sandte daraufhin einen geharnischten Brief an die Rennabteilung in München, was zu einer gewissen Unbeliebtheit Klingers bei den BMW Mechanikern führte. Aber die spende einiger zünftigen Brotzeiten und so mancher Maß Bier änderte das rasch und nachhaltig, und von da an stellten sich auch die Siege ein …

Wie beliebt Klinger dann bei den Mechanikern war, zeigt ein Schild, dass später bei BMW in der Werkstatt hing, und an die englischen Asse Dickie Dale und Geoff Duke anspielte, die nach dem Rückzug von MV Agusta und Gilera jetzt auch auf einer BMW unterwegs waren: „den Duke und den Dale, die schlägt der Klinger alle“ war darauf zu lesen. Gerold selbst erinnert sich am liebsten an die am härtesten erkämpften Ränge: beispielsweise den legendären Sieg beim Hollaus Gedächtnisrennen am 1. Mai 1955 in Salzburg. Als dritter vom Start weggekommen, ging er bereits in der 2ten Runde in Führung – und ließ dabei den als unschlagbar geltenden Zeller hinter sich, der auf einer werksunterstützten RS unterwegs war, die sicher 10 PS Mehrleistung brachte. Durch eine Unachtsamkeit stürzte Klinger, konnte sich aber aufrappeln und dem Feld nachhetzen. Einen nach dem anderen ließ er hinter sich, und nachdem es ihm gelungen war, Zeller ein zweites mal niederzukämpfen, fuhr er einen umjubelten Sieg vor heimischem Publikum ein.

Mit ähnlichen Geschichten wurde Klinger international als weltbester Privatfahrer seiner Zeit bekannt – es hagelte Angebote: so von MV Agusta, auch als Fahrer für die 350er 3Zylinder DKW war er im Gespräch. Aber er bleib BMW treu, und er wurde dafür mit Erfolgsprämien belohnt Als Privatfahrer bekam er für jeden Sieg DM 400,- für jeden 2ten Rang DM 200,- usw. Ähnliche Prämien zahlten auch Ausstatter Castrol und Reifenlieferant Continental. War an der Maschine etwas kaputt, kamen die Ersatzteile von BMW – zum Selbstkostenpreis.

Ende 1958 sprach Klinger, ohne es sonderlich ernst zu meinen, vom Aufhören. Ein Journalist hörte das und machte eine Sensationsstory draus. Das nahm Gerold zum Anlass, seine Maschine als Ersatzteilträger an den Schweizer Gespannspezialisten Florian Camathias zu verkaufen und sich von da an nur mehr um seine Familie und die vom Vater übernommene Mühle im heimischen Gaspoltshofen zu kümmern. Insgesamt hat er bei internationalen Rennen 26 erste, 10 zweite und etliche weitere Platzierungen in den Top Ten errungen. Fast jeden Sieg krönte er zudem mit der schnellsten Runde oder gar mit Streckenrekord, gewann er einmal nicht, war er zumindest bester Privatfahrer.

Gerold Klinger starb am 25. Jänner 2011.

Die im Museum ausgestellte RS 54 wurde zwar nie von Gerold Klinger gefahren (außer bei einem einmaligen Auftritt 1991 beim Gahberg-Victory Oldtimer Bergrennen, siehe Foto rechts), aber sie ist die originalste aller erhalten BMW-Königswellen Renner. Die einzige, bei der Motor- und Rahmennummer zusammenpassen. Sie wurde in den 50er jahren erfolgreich vom Holländer Piet Knijnenburg eingesetzt.