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Komfort und Zuverlässigkeit werden zum Standard


Wieder war es eine Motorradmesse, bei der zwei völlig neue Modelle präsentiert wurden, nur war es diesmal in London: auf der Olympia Motor Show 1927 standen die R 62, eine seitengesteuerte 750er mit 18 PS, der Traum jeden Gespannfahrers, und ihr sportliches Pendant, die R 63 mit 24 PS Leistung. Die tiefe Schwerpunktlage und die optimale Gewichtsverteilung verhalfen ihr zu vorzüglichen Fahreigenschaften , zudem konnte sich jeder Käufer über die neue Kardanbremse freuen.

Wie beliebt die R 63 wegen ihrer Stärke und Zuverlässigkeit bei Sportfahrern war, zeigt das Rennmodell rechts oben: der Besitzer nahm damit nicht nur an nationalen Läufen teil, er fuhr auch immer auf Achse zur jeweiligen Rennstrecke damit! Und der Motor lieferte die Basis für Werksrennmodelle, die mittels Zoller Kompressoren zu „gefährlichen Waffen“ in den Händen der Piloten wurden. Ernst Henne war der Mann der Stunde, er erreichte auf einer von Ing. Schleicher vorbereiteten Maschine schon 1929 auf der Autobahn München – Ingolstadt eine Spitzengeschwindigkeit von 216,8 Km/h. Diesen Weltrekord schraubte er im Lauf der Jahre sukzessive höher, bis er 1937 bei 279,5 Km/h lag!

Im Jahr 1929 war es auch, als BMW die Autofirma Dixi übernahm und begann, eine linksgesteuerte Version des englischen Austin Seven in Lizenz zu bauen. Ein Unterfangen, das nur mit beträchtlichem finanziellen Aufwand und hoher Verschuldung bei den Banken möglich war.

Aus wirtschaftlichen Gründen mussten daher auch bei der Motorradproduktion Fertigungstechniken aus dem Automobil zur Anwendung kommen. Daher entstand 1929 eine neue Produktpalette: die 500er wurden aufgegeben, es gab nur mehr die 750er Modelle, und die in neuem Kleid: die R 11 und R 16 Motoren saßen jetzt in einem Pressstahlrahmen.

Aus dieser Epoche, die nicht gerade wegen ihrer Sporterfolge in Erinnerung bleibt, stehen folgende Exponate in der Sammlung: BMW R 62 aus 1928, (Gespann), BMW R 63 aus 1929, BMW R 63 Rennsport, 1929 BMW R 11 aus 1929 (Gespann), BMW R 16 aus 1929, BMW R 12 aus 1935 und BMW R 17 aus 1935.

Mit der R 12 bekam der Pressstahlrahmen 1935 endlich auch die Teleskopgabel mit Druckfedern und hydraulischer Dämpfung. Die R 17 war mit 35 PS die stärkste Serien-BMW der Vorkriegszeit, sie war außerdem das letzte Modell mit horizontal geteiltem Motor. Und sie beendete die Ära der Pressstahlrahmen.

Mitte der 30er Jahre war BMW aus sportlicher Sicht etwas von der Siegerstraße abgekommen. Konnten die Bayern 1933 noch mit über 100 ersten und zweiten Plätzen brillieren, war es jetzt einzig Ernst Henne, der mit der aufgeladenen 750er Rekord auf Rekord häufte. Zwar konterten die Engländer (Eric Fernihough auf Brough Superior) und Italiener (Piero Taruffi auf Gilera) mehrfach, aber Hennes Rekord von 279,5 Km/h am 28ten November Jahr 1937 sollte bis nach dem Krieg nicht mehr gebrochen werden.

Aber 1936 sollte alles irgendwie neu beginnen: es wurden die beiden Modelle R 5 und R 6 vorgestellt. Erstere war eine obengesteuerte 500er, unter der breiten Vorderfront des Motors lief eine von der Kurbelwelle angetriebene Steuerkette (was kürzere Stoßstangen ermöglichte), die die beiden Nockenwellen und das Lichtmaschinenritzel umschloss. Ihre 24 PS reichten für sportliche 140 Km/h. Die R 6 war die erste 600er im BMW Programm, sie bekam eine Zahnradkaskade und eine mittig oben angeordnete Nockenwelle, ihre Leistung: 18 PS. Aber vor allem: bei beiden saß der Motor wieder in einem geschweißten Doppel-Stahlrohrrahmen.

Das reichte allerdings noch nicht, um sich gegen die nachdrängende Konkurrenz, vor allem aus Italien (Gilera) zu behaupten. Fahrwerkstechnisch gab es Mängel, und die wurden 1938 behoben: die R 51 verfügte über eine Geradeweg Hinterradfederung und in die Antriebswelle wurde ein Kardangelenk eingebaut. Nach selbigem Schema folgten die R 61, die sich besonders im Polizeieinsatz bewährte, und die R 71, die die 750er Klasse wieder aufleben ließ. Nicht zu vergessen die R 66: sie war 1938 das schnellste deutsche Serienmotorrad, und es war auch ein solches Typ, der am 24. November als 100.000stes BMW Motorrad das Laufband verließ.

Die Weiterentwicklung hatte sich gelohnt, auch auf sportlichem Sektor - 1939 feierte BMW seinen bis dahin größten Erfolg: Georg (genannt Schorsch, oder auch der Gusseiserne) Meier bezwang die bis dahin als unschlagbar geltenden Engländer auf ihrem ureigensten Terrain und gewann die Senior Tourist Trophy auf der Isle of Man. Auch der zweite, Jock West, saß auf einer Kompressorgeladenen Maschine der Münchner Rennabteilung.